Information overload

 

Seit das 24/7 Online-Zeitalter Einzug gehalten hat, wissen wir alle, dass es tatsächlich auch zuviel Information geben kann.

Gerade in Bezug auf Koryû, den klassischen japanischen Kampfkünsten, ging in den vergangenen fünf bis zehn Jahren wirklich viel im deutschsprachigen Raum.
Auch die Forenlandschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert (nicht nur die deutschsprachige). Die typischen Online-Foren verlieren gegenüber Facebook tendenziell an Zuspruch und Mitwirkung, sind aber häufig immer noch die erste Anlaufstelle für potenzielle Interessenten von Training in einer Koryû.

Es liegt in der Natur der Sache, dass jeweils nur eine sehr begrenzte Zahl an Leuten ernstzunehmende und wahrheitsgetreue Angaben zu diesem Themenfeld machen kann.
Damit sind wir auch bereits beim Problem: Diese Spezialisten erklären so viel und verweisen naturgemäss auch auf andere Bereiche, die einen direkten Bezug zu Koryû haben wie z.B. Philosophie, Religion, Politik, Waffenkunde etc. dass die Gefahr besteht, Fragesteller zu entmutigen oder gar abzuschrecken.

Dies kann dazu führen, dass Koryû bzw. deren Vertreter als unnahbar wahrgenommen werden. Ja, man kann wirklich nicht überzeugend abstreiten, dass klassische Ryûha „elitär“ sind.  Allerdings bezieht sich das in den meisten Fällen nicht auf die Auswahl von Schülern (obwohl ich da ein unrühmliches Beispiel kenne) sondern hauptsächlich darauf, dass die Lehren der Schulen sehr behütet werden.

Wenn nun jemand eine relativ simple Frage stellt und dann regelrecht bombardiert wird mit Infos, Querverweisen und „must read“-Listen kann das wohl wirklich zu Berührungsängsten führen („bei denen hab ich null Chancen da ich von Japan ja noch gar nichts weiss, etc.“).
Da möge sich die Koryû-Community tatsächlich auch an der eigenen Nase nehmen (mich eingeschlossen!). 🙂

Ich denke, es braucht Verständnis von beiden Seiten: Die Fragesteller müssen verstehen, dass es den Antwortgebern nie darum geht, ihr Wissen zur Schau zu stellen um das Gegenüber zu beeindrucken. Die Leute antworten einfach mit soviel Herzblut weil sie sich in der Tat freuen, dass jemand Interesse zeigt!
Und Koryû-Vertreter tun wohl gut daran, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und manchmal auch die 1:1 Kommunikation zu suchen.

Es ist es schon so, dass Neulinge in sehr grossen Foren schnell das Gefühl bekommen, „überfahren“ zu werden. Zumal dort auch die Gefahr nie ganz gebannt ist, unsachliche Kommentare abzubekommen. Dann wird es sehr schwierig für jemanden der noch nicht mit der Materie vertraut ist, die korrekten Informationen herauszufiltern.

Das Ganze ist  eine Gratwanderung: Auskunft zu geben, ohne dabei einen möglichen Schüler zu verprellen. Herausfinden was die Beweggründe für das Interesse sind, ohne allzu überheblich zu wirken. Und natürlich nicht jedem Koryû unter die Nase zu reiben, weil es eben oftmals nicht das ist, was eigentlich gesucht wird.

Leider hat sich ein rein Japan-zentriertes Forum vor einigen Jahren als nicht überlebensfähig erwiesen. Kleinere Foren wie z.B. das deutschsprachige kampfkunst-forum können auf die Bedürfnisse von sehr spezialisierten Gebieten wie Koryû oder Nihontô besser eingehen und eigene Bereiche dafür schaffen. Grössere Foren sehen hier den Nutzen verständlicherweise kaum.

Ich hoffe natürlich, dass sich auch weiterhin Menschen für die anspruchsvolle Mitgliedschaft in einer Ryûha begeistern lassen!

 

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