Nachfolgeregelung der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô und einige Auswirkungen daraus

In den Koryû ist die Nachfolgeregelung von zentraler Bedeutung. Es geht darum, wer die Schule leitet und wie die Lehrinhalte weitergegeben werden für kommende Generationen. Somit ist es ein Unterfangen, welches mit grösster Sorgfalt vorbereitet gehört.

In unserer Schule stand diese Entscheidung an und wurde diese Woche entsprechend angekündigt.
Am 26. März 2016 wird der derzeitige 6. Sôke (Ôtsuka Yôichirô Masanori) die Schule an den Menkyô-Kaiden-Inhaber Ôtsuka Ryûnosuke Masatomo übertragen. Von diesem Tag an wird dieser die Geschicke der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô als 7. Sôke leiten.

Das ist selbstverständlich eine grosse Ehre, vorallem aber ist es eine noch viel grössere Verantwortung.

Ôtsuka Ryûnosuke Masatomo spricht fliessend Japanisch und hält den Unterricht auch hauptsächlich in Japanisch ab (in Japan, Deutschland und den Dôkôkai-Seminaren). Das ist durchaus sinnvoll, da bereits für das Kajô-Mokuroku (die dritte von fünf Schriftrollen der HIRH) bereits fortgeschrittene Japanischkenntnisse notwendig sind und die Schüler so ihr Japanisch im täglichen Training üben können.

Die Bekanntmachung:

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Es war wohl nicht zu vermeiden, dass daraufhin auch Kritiker dieser Entscheidung auf den Plan traten. Denn auch wenn die Ernennung des nächsten Sôke einer Koryû eigentlich keine sehr aussergewöhnliche Sache ist sind die Umstände hier doch ein Novum.

Der neue Sôke ist zuallererst mal kein Japaner, sondern gebürtiger Deutscher. Kommt hinzu das er noch relativ jung ist.
Diese zwei Faktoren lassen die Entscheidung des derzeitigen Sôke in den Augen einiger als seltsam erscheinen.

Aber eigentlich wirft dieser Beschluss vorallem sehr interessante Fragen auf: Kann ein Nicht-Japaner einer japanischen Koryû vorstehen? Und muss ein Sôke dem Bild des alten Asiaten mit weissem Bart entsprechen um ernstgenommen zu werden?

Mittlerweile sollte es ja kein Geheimnis mehr sein, dass auch Ausländer (also Nicht-Japaner) in den Koryû zu hohen Weihen kommen. Namen wie Donn Draeger, Meik Skoss, Ellis Amdur, Toby Threadgill oder Kent Sorensen sind den meisten Lesern hier sicher ein Begriff.

Wenn man sich die leider nicht sehr rosigen Aussichten vieler Koryû in Japan anschaut (in Bezug auf die Mitgliederstruktur in Japan) und gleichzeitig weiss, dass es einige Nicht-Japaner gibt die sehr, sehr viel Zeit, Geld, Schweiss und Blut in das Training und Verständnis solch einer Schule stecken, sollte es doch nicht verwundern wenn es in Zukunft weitere ähnliche Ernennungen bei anderen Schulen geben wird. Voraussetzung dafür ist aber, dass der jeweilige japanische Sôke genug Selbstbewusstsein und Standhaftigkeit besitzt, um so eine Entscheidung auch durchzuziehen.
Denn die Kritiker sind nicht nur die Ausländer. Es gibt genügend Japaner die es für völlig ausgeschlossen halten, das es Ausländer „packen“. Und da spielt es keine Rolle wie lange oder wie hart einer studiert hat oder ob er schon Jahrzehnte in Japan lebt und fliessend Japanisch spricht.

Aber es gab schon mutige Entscheidungen wo Ausländer zu Verantwortungsträgern einer Schule gemacht wurden: Kent Sorensen wurde vor einigen Jahren zum Sôke-dairi der Toda-ha Bukô-ryû ernannt. Er lebt seit drei Jahrzehnten in Japan und ist nun verantwortlich für die Ausbildung und das Training des zukünftigen Sôke. In einem Interview erklärt er offen, wie diese Entscheidung von nicht wenigen in Japan in Frage gestellt wurde. In dem Interview zitiert er zwei frühere weibliche Sôke der Schule: uchi no koto wa, uchi no koto dake desu (unsere Angelegenheiten sind und bleiben ausschliesslich unsere Angelegenheiten).

So, zurück zu den Kritikern der Entscheidung unserer Schule. Ehrlich gesagt gab es eigentlich gar keine echte Kritik. Vorallem gab es Glückwünsche und Freude, dass so etwas offensichtlich doch möglich ist.
Und dann gibt es noch Facebook. Anständige Kritik wird nicht so oft geübt, es wird aber gerne mit Kraftausdrücken, Beleidigungen oder Unwahrheiten um sich geschmissen.

Oh nein, in schmutzige Details gehe ich nicht. Weil es eben völlig unerheblich ist für den Fortbestand unserer Schule.

Nur soviel: Der Mann der sich da besonders hervortat wurde umgehend von seinem Sôke aus der Schule ausgeschlossen die er übte. Der Sôke hatte sich in aller Form für das unflätige Verhalten seines (erwachsenen!) Schülers entschuldigt. Leider konnte er ihn nicht dazu bringen, sich öffentlich zu entschuldigen. Daher war es dem Schuloberhaupt nicht möglich, weiterhin Vertrauen in diesen Schüler zu setzen und hat deshalb den „Hamon“ ausgesprochen.

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