Seminarbericht zum 2. Hokushin Ittô-ryû Hyôhô-Seminar im Basler Dôkôkai (Mai 2015)

So, das zweite Seminar mit Ôtsuka Ryûnosuke Masatomo-Sensei im Basler Dôkôkai ist bereits wieder vorbei. Die Veranstaltung fand vom 1. bis zum 3. Mai 2015 statt, wobei der erste Tag dem Privattraining des Dôkôkai Kaichô (meine Wenigkeit) gewidmet war.

Am Samstag vormittag, 2. Mai, begann dann das öffentliche Seminar. Aufgrund unglücklicher Umstände haben zwei externe Teilnehmer leider absagen müssen. So etwas ist zwar immer schade, gab dem Sensei aber die Gelegenheit wesentlich vertiefter auf die Lehren und Techniken der Schule eingehen zu können, da ausschliesslich Schüler der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô anwesend waren. Erfreulich war zudem die Teilnahme einer Schülerin aus dem Dôkôkai Osnabrück, welche die lange Anfahrt nach Basel auf sich nahm!

Nach der Begrüssung und dem Reihô ging es an die absoluten Basics unserer Schule, das Ashiwaza-geiko (Laufübungen). Dies dient zum einen dem Aufbau der Beinmuskulatur. Zum anderen sollten die Ashiwaza in Fleisch und Blut übergehen um später die Techniken der Schule auch erfolgreich einsetzen zu können.

Daraufhin gab es einen grossen Block an Suburi (Schwertschwingübungen), welche den Teilnehmern schon zu Beginn des Seminars viel abverlangte. Hierbei wies Ryûnosuke-Sensei auf diverse wichtige Punkte hin um somit von den Suburi grösstmöglichst zu profitieren. Denn falsch ausgeführte Suburi können durchaus negative Auswirkungen auf den Körper und die Technik haben.

Nach einer Trinkpause widmeten wir uns den Omote Gogyô no Kata, den fünf zentralen Kata unserer Schule. Auch hier konnte man rasch auf Feinheiten eingehen, da alle Teilnehmer die Kata bereits gut kannten!

Vor der Mittagspause gab es noch einen theoretischen Teil, wobei Ryûnosuke-Sensei die fünf Makimono unserer Schule zeigte und beim Kajô-Mokuroku (der 3. Makimono der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô) etwas vertiefter auf den Inhalt einging und mündliche Erklärungen zu den Jû-ni Kajô (12 Kajô) lieferte. Alle Teilnehmer waren sehr angetan davon, sahen sie doch wie die Praxis und die schriftlichen und mündlichen Überlieferungen der Schule Hand in Hand gingen.

Nach der Mittagspause gingen wir auf die zentrale Technik aller Ittô-ryû ein, das Kiriotoshi. Gerade bei dieser Technik zeigte sich eindrücklich, wie wichtig die mündlichen Überlieferungen einer Schule sind! Aussagen wie „einfach üben bis es funktioniert“ sind dem Fortkommen der Schüler extrem hinderlich und haben in Koryû Bujutsu (wie auch im Gendai Budô) nichts verloren, denke ich….

Danach widmeten wir uns den sogenannten „Yonjûsanbon no Kata“, also den „43 Kata“. Diese stammen von den „Gojûppon no Kata“ der Ittô-ryû ab, welche Chiba Shûsaku Narimasa, der Gründer der Hokushin Ittô-ryû, reformierte, reduzierte und technisch weiterentwickelte. Diese Kata fanden dann Eingang in den Curriculum seiner Schule. Wir fingen mit den ersten drei Kata an, welche wir mit Shinai ausführten wobei die Uchitachi Kote trugen. Dies erlaubt dem Shidachi die Technik jeweils kraftvoll und mit Vollkontakt auszuführen.

Kleiner historischer Exkurs: Üblicherweise werden die Gojûppon no Kata mit sogenannten „Oni-gote“ (Teufels-Handschuhen) praktiziert. Diese werden aus Hirschleder hergestellt und sind sehr stark wattiert und gepolstert. Dies führte in der Bakumatsu-Zeit allerdings zu Problemen, da Schulen wie die Hokushin Ittô-ryû sehr viele Schüler anzog aber diese Oni-gote nicht in so hohen Stückzahlen verfügbar waren. Zudem war die Herstellung sehr zeitaufwendig und entsprechend teuer. Heutzutage kostet ein Paar rund 2’000 Euro. Aus diesem Grund wurden die Yonjûsanbon no Kata in der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô jeweils mit „normalen“ Kote ausgeführt. Dies machte Sinn, da Bogu (Rüstungen) für Gekiken bereits ein jeder Schüler selbst besaß.

Oni-gote
Oni-gote

Danach folgte der fliessende Übergang zu Gekiken, also dem freien Sparring. Zwei Leute rüsteten sich mit Bogu aus (einer davon war ich 🙂 ) und die anderen konnten sich abwechselnd mit den beiden messen. Die Bogu-Träger durften selbstverständlich ihre Angriffe nicht mit Vollkontakt ausführen.

Daraufhin gingen wir zum Battôjutsu über, wo wir alle Shoden-Kata in all ihren Variationen übten (insgesamt 50 Kata!).

Den Abend liess die Gruppe dann in einem guten Basler Restaurant ausklingen.

Am Sonntag vormittag fanden sich wieder alle im Dôkôkai ein und waren schon gespannt, was sie erwarten würde.

Am Tag zuvor haben sich vier Schüler entschlossen, den Keppan zu leisten. Hierzu wurde die sogenannte Seishô-Makimono entsprechend vorbereitet, d.h. die Namen der entsprechenden Mitglieder wurden in die Makimono geschrieben. Die Schulregeln wurden jedem Einzelnen erklärt und er konnte nach einem kurzen Piecks seinen Fingerabdruck unter seinen Namen setzen. Ôtsuka Ryûnosuke Masatomo-Sensei beglückwünschte die vier Personen und bat sie, stets ihr Bestes für die Hokushin Ittô-ryû zu geben.

Nach Ashiwaza-geiko und Suburi widmeten wir uns wieder den Yonjûsanbon no Kata und übten abwechselnd mit anderen Partnern um sich immer wieder auf jemanden anders einzustellen.

Beim Battôjutsu wurden verschiedene Chuden-Kata trainiert, sowohl Suwariwaza wie auch Tachiwaza. Für einige Teilnehmer war dies die erste „Begegnung“ mit einem höheren Battôjutsu-Kata-Set der Hokushin Ittô-ryû Hyôhô und es wurde schnell klar, dass hier eindeutig auf den Shoden-Kata aufgebaut wird. Die Bewegungen sowie das Riai werden hier wesentlich komplexer und vielfältiger. Alle waren froh, sich mal an den Chuden-Kata üben zu können! Gleichzeitig war aber auch klar, das die Shoden-Kata in all ihren Variationen die Grundlage sind, um weiter an den Chuden-Kata zu arbeiten.

Ein intensives Wochenende mit viel Training, interessanter Theorie, Geschichte und guten Gesprächen nahm dann langsam sein Ende. Ryûnosuke-Sensei war beeindruckt von den Fortschritten der Teilnehmer und dankte allen für das hervorragende gemeinsame Üben.

Ich bedanke mich nochmals bei Ôtsuka Ryûnosuke Masatomo-Sensei, das er wiederum den Weg in die Schweiz auf sich nahm um mit uns zu trainieren und uns weitere spannende Facetten der Schule zu zeigen. Auch möchte ich es nicht versäumen meiner Frau zu danken, welche mit ihrer schönen Schrift die Seishô-Makimono um vier Schülernamen ergänzte.

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