„Japan“ notwendig?

Vor kurzem fiel mir in einem einschlägigen Forum folgende Aussage auf:  Japan ist mir in Bezug auf Kendô eigentlich ziemlich egal. Gut, aus diesem Land stammt es halt, alle Lehrer sind von dort und die Entwicklungsgeschichte ist zwar mal ganz interessant, aber eigentlich nicht sonderlich wichtig. (nicht im Wortlaut)

Bermerkenswert, finde ich. Natürlich ist es eine Einzelaussage und ich weiss nicht wie repräsentativ das sein könnte. Trotzdem sollte man sich mal Gedanken zu dieser Auffassung machen.

Jemand betreibt Kendô, eine der typischsten japanischen Kampfkünste, aber Interesse an Japan scheint nicht vorhanden zu sein. Es klingt fast so, als ob die Verbindung von Kendô zu Japan eher zufälliger Art ist.

Kendô hat sich ja bekanntermassen nicht direkt aus den verschiedenen Kenjutsu ryû-ha entwickelt (obwohl das noch oft so kolportiert wird). Das sogenannte Gekiken, welches ca. ab Beginn des 19. Jahrhunderts und bis in der Meiji-Zeit populär war, trug wesentlich zum heutigen Kendô bei. Die meisten Ryû-ha übten sich darin und es traten dabei auch oft Exponenten von verschiedenen Ryû-ha gegeneinander an. Dies formte dann den eigentlichen Wettkampf-Charakter des heutigen Kendô.

Und ja, Kendô ist sehr wettkampflastig. Insbesondere bei jüngeren Menschen. Das sieht man auch daran, dass die Nihon Kendô-no-kata oftmals nur widerwillig gelernt werden („gehört halt zum Prüfungsprogramm…“). Aber gerade die zehn Kendô-no-kata sind noch eine direkte Verbindung zu den Kenjutsu-Wurzeln (hauptsächlich Ono-ha Ittô-Ryû und Hokushin Ittô-Ryû).

Ist es also ganz in Ordnung, wenn Interesse und Neugierde an Japan in Bezug zur eigenen Kampfkunst fehlt?
Jeder wie im beliebt… allerdings sollte man sich dann auch bewusst sein, dass einem wichtige Bausteine für immer vorenthalten bleiben werden. Genau dies wird dann oft nicht akzeptiert und es wird argumentiert, dass ja zum Beispiel Vereinsbeiträge bezahlt wurden und man dadurch das RECHT hat, alles beigebracht zu bekommen…

Ich persönlich bin auch der Meinung, dass fundierte Kenntnisse in der japanischen Sprache es einem ermöglichen, viele andere Facetten der klassischen Kampfkünste zu erkennen. Genauso wie es von Vorteil ist, mal über einen längeren Zeitraum in Japan gelebt zu haben um dann gewisse westliche Mythen gelassen belächeln zu können.  🙂

Es ist alles nur eine Frage, wieviel man bereit ist zu GEBEN.

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3 Gedanken zu “„Japan“ notwendig?

  1. Schönen guten Morgen Martin,

    für die Meisten unterscheidet sich Budô eben nicht von der wöchentlichen Freizeitvolleyballgruppe. Man geht hin, vergnügt sich 1,5h und geht dann zufrieden was gemacht zu haben, wieder nach Hause. Man kann es ihnen ja nichtmal verübeln, auch wenn dabei die Gründergedanken auf der Strecke bleiben.

    Funakoshi Gichin: „Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.“

    Kano Jigoro: „Reaching upper-level judo means making the most effective use of the mental and physical energy you acquired at the lower and middle levels and contributing to society. Thus, upper-level Judo has the widest application and requires the most creativity. in dayly actividies also, wether or not something meets the aims of judo can easily be determined in each situation by considering whether or not you made the most effective use of your mental and physical energy. Everything human beings do can be evaluated based on these rules. “

    Und die Spinner die sich das dann zu Herzen nehmen, rennen den ganzen Tag in irgendwelchen kruden Kampfhaltungen durch die Gegend…. 😀

    Schönen Tag dir,

    Mäxchen

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